Können Asylbewerber, die als Zahnarzt nicht (oder noch nicht) anerkannt sind, ein Praktikum machen oder hospitieren?

Auch hier zunächst die Begriffsklärung:

Praktikum

Nach dem allgemeinen Sprachverständnis vertieft oder erweitert ein Praktikant seine Kenntnisse und Fähigkeiten durch Mitarbeit in einer Organisation eben in „praktischer“ Anwendung, handelt also. Er ist (zumindest in Deutschland) in die Arbeitsorganisation eingebunden, hat aber keinen uneingeschränkten Arbeitnehmer-Status. Die praktische Anwendung zahnärztlicher Erkenntnisse und Fähigkeiten ist nach dem Zahnheilkundegesetz (auf der Basis der einschlägigen EU-Norm) dem approbierten Zahnarzt vorbehalten. Ein Praktikum für Asylbewerber ohne Approbation ist nicht möglich.

Hospitation

Unter einer Hospitation versteht man gemeinhin den Besuch eines Außenstehenden in einer Firma oder Praxis, der sich alles interessiert ansehen darf, aber eben aber gerade nicht „praktisch“ tätig wird. Im allgemein mögen die Grenzen zwischen Praktikum und Hospitation fließend sein. Beim zahnärztlichen Beruf setzt das Zahnheilkundegesetz die eindeutige Grenze. Der Hospitant mag also einen weißen Kittel tragen, ist aber tunlichst gehalten, die Hände untätig auf dem Rücken zu verschränken. Der Hospitant in einer Zahnarztpraxis sollte für den Patienten als solcher erkennbar sein und in Folge nur mit dem Einverständnis des Patienten im Behandlungszimmer zugegen sein.

Wie ein Hospitant in die Arbeitsorganisation einer Praxis eingebunden ist, kann fraglich sein. Im Ergebnis wird sich der Praxisinhaber alles, was mit Hospitant und Hospitation verbunden sein mag, zurechnen lassen müssen.

Eine Berufshaftpflichtversicherung benötigt der Hospitant nicht, weil er seinen Beruf nicht ausüben wird. Nach den bisher in Deutschland geltenden Maßstäben ist das Vorlegen einer privaten Haftpflichtversicherung geboten. Asylbewerber verfügen im Allgemeinen nicht über eine Privathaftpflichtversicherung.

Ein Hospitant hat keinen Arbeitnehmerstatus. Das hat Auswirkungen auf die Rechte und Pflichten, wie sie sich ansonsten aus der Meldung eines Arbeitnehmers bei der Berufsgenossenschaft ergeben. Beispielsweise gilt die Absicherung von Berufs- und Wegeunfällen des „regulären“ Arbeitnehmers so für einen Hospitanten nicht ohne weiteres. Er wird zumindest aus diesem Rechtskreis nicht die üblichen Einstellungsuntersuchungen eines Praxismitarbeiters durchlaufen. Gleichwohl wird sich der Praxisinhaber fragen müssen, ob er aus dem Gesichtspunkt des Schutzes seiner Patienten alles Erforderliche veranlasst hat:

Die Zahnärztekammer rät davon ab, Asylbewerber als Hospitanten in den Behandlungsraum mitzunehmen, wenn die Gesundheitsuntersuchung auf übertragbare Krankheiten nach § 62 Asylverfahrensgesetz AsylVfG noch nicht und ohne Befund abgeschlossen ist.

Im Ergebnis empfiehlt es sich, die wichtigsten Dinge festzuhalten. Dazu gehören an allererster Stelle auch Angaben zur Identität des Hospitanten. Auch hier der Appell der Zahnärztekammer: etwas mehr als lediglich den Vornamen seines Hospitanten sollte man schon kennen.