Kann ein Asylbewerber, der in seinem Herkunftsland als Zahnarzt tätig war, vielleicht sogar als Chef einer Klinik, hier in Deutschland zahnärztlich tätig werden?

Die Fragestellung beinhaltet zwei Missverständnisse:
Clinic, Klinik, Hospital, Krankenhaus

Die Übertragung des angelsächsischen Begriffs „Clinic“ ins Deutsche als „Klinik“ ist falsch. Die „Clinic“ oder genauer die „Outpatient Clinic“ oder „Ambulatory Care Clinic“ ist eine Gesundheitseinrichtung für ambulante Patienten und entspricht im Allgemeinen einer deutschen „Praxis“.

Das Pendant zur Clinic und zur Behandlung stationärer Patienten ist das „Hospital“, also unser Krankenhaus (in der Schweiz und Österreich auch: Spital oder Hospital). In Deutschland verstehen wir unter einem Hospiz meist ein Sterbehaus, in dem unheilbar Kranke in ihrem letzten Lebensabschnitt betreut und allenfalls palliativ behandelt werden. Eine in gebrochenem Deutsch ausgesprochene Einweisung in ein Hospiz (als schlechte Übersetzung des angelsächsischen Hospital) löst bei Patienten verständlicherweise betroffene Reaktionen aus.

Dentist, Dentist, Zahnarzt

Die Assoziationen zum Begriff angelsächsischen „Dentist“ [ˈdɛntist] sind weltweit unterschiedlich. Die assoziative Übertragung des angelsächsischen „Dentist“ in das deutsche „Dentist“ ist unzutreffend. Der Dualismus zwischen Dentist und Zahnarzt wurde mit Schließung der letzten Dentistenschulen in der Mitte der Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts endgültig aufgegeben. Seither gibt es ausschließlich akademisch ausgebildete Zahnärzte. Barbiere oder Zahnreißer durften nicht mehr nach eigenem Gusto Patienten „behandeln“. Ab diesem Zeitpunkt bedarf es vielmehr einer staatlichen Zulassung zur Ausübung des Berufes als Zahnarzt also der Bestallung bzw. moderner der Approbation.

Das ist auch heute noch nicht überall so. Die fachliche Qualifikation eines Dentisten ist weltweit unterschiedlich. Es gibt zweifellos Länder, in denen die durch das Studium der Zahnheilkunde erworbene Qualifikation dem deutschen (oder genauer dem europäischen) Niveau durchaus ebenbürtig, vielleicht sogar überlegen ist. Anderen Ortes stellt der „Zahnarzt“ als Nachweis seiner Qualifikation die erfolgreich extrahierten Zähne auf einem kleinen Teppich auf dem Boden des regionalen Marktplatzes zur öffentlichen Begutachtung aus.

Es ist also weder in der Sache noch formal korrekt, jeden, der seinen erlernten oder ausgeübten „Beruf“ aus seiner Landessprache ins angelsächsische Dentist übersetzt, auch hier als Zahnarzt zu bezeichnen.

Die Berufsausübung als Zahnarzt und damit auch der Begriff Zahnarzt ist durch das Zahnheilkundegesetz geschützt und an den Nachweis bestimmter Voraussetzungen gebunden. So will es die einschlägige Rechtsnorm, das Zahnheilkundegesetz.

Der „deutsche Zahnarzt“ entspricht dem europäischen Zahnarzt, so wie er in der Richtlinie 2006/36/EU des Europäischen Rates und der Kommission definiert ist. Der Beruf des Zahnarztes gehört zu den EU-weit harmonisierten (reglementierten) Berufen. Deutschland könnte also die Anforderungen für diesen Beruf nicht einseitig verändern, ohne Gefahr zu laufen, die EU-weite Anerkennung für diesen Beruf zu verlieren, mit den entsprechenden Folgen für die Freizügigkeit der Berufsangehörigen innerhalb der EU.

Drittstaaten

Aus dem nichteuropäischen Ausland (sogenannten Drittstaaten) mitgebrachte Qualifikationen können dem EU-Standard entsprechen, müssen es jedoch nicht. Das festzustellen, ist Aufgabe der jeweiligen Approbationsbehörde, hier in Schleswig-Holstein ist es das Landesamt für soziale Dienste, Adolf-Westphal-Str. 4, 24143 Kiel.

Diese Feststellung ist bei den weltweiten Unterschieden keine leichte Aufgabe und erfolgt zunächst nach „Lage der Akten“, über deren Verlässlichkeit es weltweit ebenfalls Unterschiede geben mag. Werden bei dieser Überprüfung Defizite festgestellt, so kann ggf. vorübergehend eine Berufserlaubnis mit Auflagen erteilt werden, eine später erfolgreich absolvierte, sogenannte Gleichwertigkeitsprüfung dient dann als Nachweis über die Beseitigung dieser Defizite.

Es ist also durchaus möglich, dass eine Berufserlaubnis als Zahnarzt (mit Einschränkungen und Auflagen) erteilt wird, obwohl die Approbationsbehörde festgestellt hat, dass die Gleichwertigkeit zum europäischen Qualifikationsniveau eben gerade nicht gegeben ist. Der Praxisinhaber übernimmt mit der Beschäftigung eines Kollegen mit dieser eingeschränkten Berufserlaubnis eine besondere Verantwortung für die Patienten, den betroffenen Kollegen und seine Praxis.

Eine weitere Voraussetzung des zahnärztlichen Berufes sind adäquate Sprachkenntnisse. Sie müssen – anders als die uneingeschränkte zahnärztliche Qualifikation – schon zu Beginn der erstmaligen Berufserlaubnis nachgewiesen werden.

Bislang hat sich die Approbationsbehörde dazu offenbar auf die vorgelegten Qualifikationsnachweise verlassen. Die Zahnärztekammer ist gelegentlich besorgt, wenn es den neuen Kollegen nicht gelingt, den – naturgemäß in deutscher Sprache verfassten – Personalbogen zur Aufnahme als Kammermitglied auszufüllen. Das hat zwischenzeitlich auch die Gesundheitsministerkonferenz erkannt und neue Spielregeln zum Nachweis der sprachlichen Qualifikation definiert; sie sind ab Jahresbeginn 2016 in den erforderlichen länderspezifischen Regelwerken rechtssicher niedergelegt. Von der Möglichkeit, die für das Patientengespräch erforderlichen Sprachkenntnisse nach diesem neuen Verfahren feststellen zu lassen, hat das Landesamt bisher keinen Gebrauch gemacht.